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Wer in Europa wirklich auf Linux umsteigt – und wer es nur plant

September 2026 · Lesezeit ca. 5 Minuten · Thema: Einordnung

Man liest es immer öfter: Ein Land nach dem anderen wirft Microsoft raus. Ich habe die Meldungen nachgeprüft. Kurz gesagt: Kein Land ist komplett umgestellt – aber einige sind erstaunlich weit. Und fast alle fangen an derselben Stelle an.

Kurzfassung:
Die französische Gendarmerie arbeitet längst mit Linux, das österreichische Bundesheer ohne Microsoft Office, Schleswig-Holstein ist auf dem Weg. Viele andere haben beschlossen oder testen. Fast immer fällt zuerst Office, Windows erst später – und dort, wo Fachprogramme es verlangen, bleibt es.

Schon Alltag

Mitten im Umbau

Am Anfang

Warum sie umsteigen

Drei Gründe tauchen immer wieder auf.

Selbst entscheiden, wer Zugriff hat

Im Juni 2025 fragte der französische Senat Microsoft unter Eid, ob die Daten französischer Bürger vor dem Zugriff von US-Behörden sicher seien. Die Antwort des Microsoft-Juristen: „Nein, das kann ich nicht garantieren.“[14] Der Grund ist ein US-Gesetz, der CLOUD Act. Er gilt für US-Firmen – auch wenn der Server in Europa steht. Mit freier Software und eigenen oder europäischen Servern liegt diese Frage wieder in der eigenen Hand.

Kosten, die planbar bleiben

Schleswig-Holstein spart mehr als 15 Millionen Euro Lizenzkosten, bei 9 Millionen Euro einmaligem Aufwand für 2026.[3] Zum Vergleich: Microsoft 365 Business Standard wurde im Juli 2026 um 12 % teurer.[15] Wo keine Lizenz ist, kann auch keine teurer werden.

Arbeiten ohne fremde Cloud

Für das Bundesheer war Geld gar nicht der Grund. Die Daten sollen das Haus nie verlassen, und Office soll ohne fremde Abhängigkeiten laufen – auch in einer Krise.[16]

Wie das Bundesheer es gemacht hat

Ohne harten Schnitt. Zuerst durfte jeder LibreOffice freiwillig installieren – rund die Hälfte der 16.000 Beschäftigten tat das. Ab 2023 wurde es in einzelnen Bereichen Pflicht, seit Dezember 2024 ist es Standard für die interne Zusammenarbeit. Dazu gab es Lernvideos, 15-Minuten-Kurse je Programm und jede Woche einen Tipp im Intranet.[16]

Das ist im Großen, was ich im Kleinen mache: erst die neuen Programme unter dem gewohnten System, dann Schritt für Schritt, in deinem Tempo. Mein 3-Phasen-Modell →

Was München gelehrt hat

München war der Vorreiter: Ab 2003 stellte die Stadt rund 15.000 Rechner auf Linux um. 2017 beschloss der Stadtrat die Rückkehr zu Windows.[17] Die Lehre daraus: Ein Umstieg braucht einen Plan für die Fachprogramme und einen langen Atem. Genau so gehen Schleswig-Holstein und das Bundesheer vor – schrittweise, und wo ein Fachprogramm Windows braucht, bleibt es. Und München selbst? Seit 2020 will die Stadt wieder möglichst breit auf Open Source setzen.[18]

Und wer bezahlt das eigentlich?

Eine Frage, die jede Behörde zuerst stellt: Hängt da jemand dran, der morgen verschwindet? Die Antwort ist beruhigend. An einer einzigen Version des Linux-Kerns, 6.19 von Anfang 2026, haben 2.141 Entwickler von 227 bekannten Arbeitgebern mitgearbeitet.[19] Die Firmen tun das, weil ihre eigenen Produkte auf Linux laufen – und keine von ihnen kann es allein abschalten.

Dazu kommen gemeinnützige Stiftungen: The Document Foundation, die LibreOffice verantwortet, und der KDE e.V. sitzen beide in Berlin. Und auch der Staat hilft mit: Der Sovereign Tech Fund des Bundes fördert KDE mit über 1,2 Millionen Euro für 2026 und 2027.[20] Der Code gehört allen. Genau das macht ihn für Behörden so verlässlich.

Das Muster: erst das Büro, dann das System

Niemand wechselt alles auf einmal. Zuerst fällt das Büroprogramm, dann die Cloud, zuletzt Windows. Und wo ein Fachprogramm nur unter Windows läuft, bleibt genau dieser Rechner bei Windows – in Kiel sind es rund 20 von über 200. Der Digitalminister von Schleswig-Holstein, Dirk Schrödter, sagt es so:

„Jetzt arbeiten die Mitarbeitenden der Staatskanzlei überall dort, wo es technisch möglich ist, nahezu vollständig auf Linux.“[4]

Genau so arbeite ich auch: Linux zuerst, Windows nur, wo es gebraucht wird. Was in einer Landesverwaltung geht, geht in einem Betrieb mit fünf Rechnern erst recht.

Und was heißt das für dich?

Wenn Ministerien und Armeen ihre Arbeit mit LibreOffice und Linux erledigen, reicht es auch für Briefe, Rechnungen und Onlinebanking. Der Unterschied: Eine Behörde braucht Jahre und Ausschreibungen. Du brauchst nur jemanden, der dich dabei begleitet.

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Quellen

Stand dieses Artikels ist September 2026. Wer das später liest, prüft besser nach:

  1. Gendarmerie, Umstieg auf Ubuntu seit Januar 2008: Open Source Observatory der EU-Kommission; 72.000 Rechner 2014: LeMagIT.
  2. Bundesheer, rund 16.000 Arbeitsplätze, Microsoft Office von allen Rechnern entfernt: heise online, 18.9.2025.
  3. Schleswig-Holstein, fast 80 % auf LibreOffice, über 15 Mio. € Einsparung: Landesregierung, Pressemitteilung vom 4.12.2025.
  4. Staatskanzlei Kiel, Linux-Umstellung abgeschlossen, Zitat Dirk Schrödter: eGovernment, 22.9.2026; ebenso Borns IT-Blog.
  5. Projekt „+1 Linux“ der Landesverwaltung: Landesregierung Schleswig-Holstein.
  6. DINUM, Ausstieg aus Windows und Pläne der Ministerien: französische Regierung, Pressemitteilung vom 8.4.2026.
  7. Dänemark, Test mit LibreOffice-Lösung im Digitalministerium: Digitaliseringsministeriet, 19.6.2025.
  8. Mecklenburg-Vorpommern, Nextcloud statt SharePoint: DVZ M-V (IT-Dienstleister des Landes), 3.7.2026.
  9. Mecklenburg-Vorpommern will Microsoft Office ablösen: heise online.
  10. Österreichs Wirtschaftsministerium setzt auf Nextcloud: Trending Topics.
  11. Niederlande, DAWO im Innenministerium: code.overheid.nl (Code-Plattform der niederländischen Regierung).
  12. DAWO-Pilot in 's-Hertogenbosch, Zaanstad, Ede und Amsterdam bis Ende 2026: Dutch IT Channel, 3.4.2026.
  13. Aarhus und Kopenhagen: Interoperable Europe (EU-Kommission).
  14. Microsoft vor dem französischen Senat, 10.6.2025: heise online; ebenso Dr. Datenschutz.
  15. Microsoft 365, Preiserhöhung zum 1.7.2026: Borns IT-Blog.
  16. Bundesheer, Gründe und Ablauf der Umstellung: The Document Foundation (LibreOffice), 7.8.2026.
  17. München, Beschluss zur Rückkehr zu Windows, November 2017: heise online.
  18. München will wieder auf Open Source setzen, 2020: heise online.
  19. Linux 6.19, 2.141 Entwickler, 227 Arbeitgeber: LWN.net.
  20. Sovereign Tech Fund fördert KDE mit 1.285.200 € für 2026 und 2027: KDE.

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